Herzlich Willkommen :)

Ich habe grade einen wundervollen Blog gelesen der mich wahnsinnig fasziniert hat. Da ich eine sehr traurige Geschichte zu erzählen habe, möchte ich versuchen Anderen in der gleichen Situation Mut zu machen. Ich stell mich erstmal vor: Ich heiße Vivian und bin 24 Jahre alt. Am 13.09.1989 wurde ich in Bremen geboren. Meine Kindheit war keine einfache, meine Eltern waren drogenabhängig und ich bin mit 1,5 Jahren in ein Kinderheim gekommen. Ich wurde relativ schnell an Pflegeeltern vermittelt. Kurz vor meinem 3. Geburtstag am 06.09.92 ist meine Mama gestorben. Woran weiß ich wirklich nicht genau, die einen sagen, an einer Lungenentzündung, die anderen sagen an, dem berühmten Golden Schuss. Aber eigentlich ist das ja auch völlig egal, den es ändert nichts an der Tatsache, dass sie tot ist. Meinen Vater habe ich das letzte Mal gesehen als ich 16 Jahre alt war. Aber man kann keine 16 Jahre mit einem Haufen Geschenken wieder gut machen und der Kontakt verlief auch schnell wieder im Sand. Sein nächster Versuch kam übers Jugendamt, aber ich habe weder Adresse, E-mail oder Telefonnummer raus gegeben. Es war mir damals einfach alles zu viel und die Wut war einfach zu groß. Er hatte immer die Möglichkeit mich zu besuchen und sich um mich zu kümmern...aber es kam immer so wenig und er hat mich sooft versetzt und ist einfach nicht gekommen. Wer ist dieser Mann überhaupt? Er ist mein Vater, aber er ist ein Fremder. Uns verbindet doch nichts außer das Blut. (Ich bin selber Mama und ich kann es nicht verstehen wie einem alles andere wichtiger sein kann, als wie die eigene Tochter.) Meine Eltern sind meine Pflegeeltern, weil sie (auch jetzt!) immer für mich da sind. Sie sind meine Mama und mein Papa und ihr Sohn ist mein allerliebster Bruder! Sie sind meine Familie denn uns verbindet so viel, mehr als nur Blut. Auch hier war es nicht immer einfach für mich. Man ist anders! Man fühlt sich anders und man ist es auch. Man denkt es wäre bei Mama bestimmt besser gewesen, aber erst hinter her begreift man, dass das natürlich nicht stimmt. Mit 15 sind meine Pflegemama und ich nach Paderborn gezogen und nach einigen schlimmen Situationen und einem ausschlaggebenden Sommerurlaub, war es das Beste für meine Mama und mich, dass ich ausgezogen bin. (Hat sie mich raus geworfen oder bin ich ausgezogen? Keine Ahnung aber es war das Richtige!) Also hab ich mit 15 quasi alleine gewohnt, in einem betreuten Wohnen. Keine 24 Stunden Betreuung sonder nur unter der Woche von c.a 8-17 Uhr und ansonsten im Notfall telefonisch erreichbar. Ich hab eine Menge gelernt in dieser Zeit aber auch eine Menge Mist gemacht Klar mit 15 jedes Wochenende Sturmfrei, da kommen einem die ein oder andere blöde Idee in den Sinn. (Ich lasse mal die schulische und berufliche Laufbahn raus, das würde sonst den Rahmen sprengen.Vielleicht später einmal mehr dazu.) 4 Jahre habe ich dort gewohnt, die Bewohner haben immer wieder gewechselt, sind raus geflogen oder ausgezogen. Ich habe einige Freunde gefunden und auch ziemlich komische Gestalten kennen gelernt. Mit 19 bin ich dann ausgezogen in meine erste eigene Wohnung. Ich mache hier dann mal einen kleine Sprung und gehe weiter zu Heute: Mein Freund und ich wohnen nun zusammen und wir haben am 01.03.2014 unsere kleine Maus bekommen. Sie heißt Leana Malou. Sie hat mein Leben schon in der Schwangerschaft komplett verändert. Ich war so super Happy als ich erfahren habe das ich schwanger war, ich hab geweint vor Freude. Mein Freund musste es erstmal realisieren Aber als sie dann auf seinem Bauch lag war er der glücklichste Papa dieser Welt (Ich musste mich leider während und nach der Geburt ständig übergeben, aber auch ich war super glücklich!) Wir waren hin und weg von unserer Prinzessin. Sie ist aus uns entstanden und in mir gewachsen, es hat uns so wahnsinnig fasziniert. Wir waren so unglaublich stolz und ich war zum ersten Mal in meinem Leben wunschlos glücklich! Bis zur Nacht vom 05.06.2014 auf den 06.06.2014 in der alles vorbei sein sollte. Wir haben unsere Tochter in dieser Nacht am plötzlichen Kindstod verloren. Sie ist einfach ein geschlafen und schläft nun für immer :´( Egal was ich alles erlebt habe, dieser Tag bzw Nacht war für mich das schlimmste auf der Welt. Natürlich auch für meinen Freund. Ihn so zu sehen und genau das gleiche zu fühlen, hat mich unglaublich fertig gemacht. Wieso wir? (mein Freund lebte auch bei einer Pflegefamilie und auch seine Mama hat diese Welt bereits verlassen) Wieso muss uns das Unglück immer finden. Es hat mir den Boden unter den Füßen weg gehauen. Mein ganzes Leben mein ganzes Glück vernichtet. Ich fühlte mich wie vor dem Nichts. Was fühlte ich überhaupt? Trauer? Schmerz? Ich weiß es nicht! Einfach LEER! Wir haben uns gegen 23 Uhr schlafen gelegt. Wir haben sie beide noch geknutscht und sie hat im Schlaf ganz verschmitzt gegrinst. Ich bin irgendwann zwischen drin aufgewacht und habe nach ihr geschaut, sie atmete noch. Also bin ich wieder eingeschlafen um 1.30 Uhr bin ich aufgewacht (Ich weiß es an Hand des Notrufs, den ich um 1.33 Uhr angerufen habe), ich hatte das Gefühl sie ist weg. Ich habe in ihr Bettchen geschaut und ich habe sie nicht gesehen (sie lag natürlich da). Mir war sofort klar das etwas nicht stimmt. Ich hab Panik bekommen. Als ich ihren Arm hoch hob... er war ganz schlaff. Ich hab so laut geschrien mein Freund war sofort wach und sprang aus dem Bett. Er hat zu mir gesagt, dass ich mich irre und alles gut wird. Er hat sie hoch genommen und ihr kleiner Kopf hing nach hinten, einfach so wie ein Sack hing sie da. Mit meinem Handy hab ich sofort den Notruf angerufen und der Mann blieb auch die ganze Zeit dran. Er sagte uns was wir machen sollten und mein Freund versuchte Leana zu reanimieren immer und immer wieder. Es kam mir vor wie Stunden aber nach 11 min war der Notarzt da. Ich bin runter gerannt und hab ihnen gesagt wo sie hin müssen. Sie sind gerannt und ich bin wie eine Schnecke die Treppen bis ins DG hoch. Meine Beine waren wie taub. Es viel mir so schwer zu atmen. Die Luft blieb mir weg und ich hab hyperventiliert. Ich bin immer wieder ins Wohnzimmer, aber ich konnte nicht da bleiben. Mein Freund und ich setzten uns ins Schlafzimmer und warteten. Worauf warteten wir überhaupt? Zumindest nicht darauf was dann kam. Ein Seelsorger stand bei uns im Schlafzimmer. Leute liefen rein und raus. Ich habe ihre Gesichter nicht gesehen. Ich war wie in Trance. Was würde jetzt kommen? Ich wusste es. "Ok , das wird nichts..." Meinem Freund kamen die Tränen und ich rutsche vom Bett. Ich wusste es von Anfang an, aber in diesem Moment starb auch die letzte Hoffnung. Sie ist tot. Einfach so. Die Polizei kam, ich wusste nicht was das sollte, aber mir war eh alles egal. Sie haben sie 2 Stunden untersucht. Wie an einem Tatort haben sie Fotos gemacht von unserem und ihrem Bett. (im Nachhinein ist mir natürlich klar, dass das deren Job ist und so gezeigt werden kann, dass es nicht unsere Schuld ist) Es war die Hölle. Als sie endlich fertig waren, habe ich mich von meiner Maus verabschiedet. Ich habe sie gestreichelt, hab sie geküsst und ihr, ihr Kuscheltier in den Arm gelegt... Ich vermisse sie sehr und während ich diese Zeilen aufschreibe stehen mir die Tränen in den Augen. Ich werde nächstes Mal weiterschreiben und erzählen wie die Tage danach waren! Vielen Dank fürs Lesen Vivian

4 Kommentare 21.7.14 20:16, kommentieren

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